THCP, oder Tetrahydrocannabiphorol, ist eines der stärksten bekannten Cannabinoiden - viel stärker als herkömmliches THC. Aber wie kommt es eigentlich aus der Pflanze in die Flasche? Viele denken, THCP ist einfach ein weiteres Cannabinoid, das man wie CBD oder THC aus Hanf presst. Doch das ist ein Irrtum. THCP kommt in extrem geringen Mengen vor - oft weniger als 0,1 % im gesamten Pflanzengewicht. Deshalb kann man es nicht einfach durch einfache Extraktion gewinnen. Die Herstellung von THCP ist ein komplexer, mehrstufiger Prozess, der Chemie, Technik und Präzision erfordert.
Warum ist THCP so schwer zu finden?
THCP ist kein Hauptbestandteil der Cannabis-Pflanze. Während THC in manchen Sorten bis zu 30 % erreichen kann, liegt der THCP-Gehalt meist unter 0,05 %. Das bedeutet: Aus einer Tonne Hanf erhält man vielleicht nur ein paar Gramm reines THCP - wenn man Glück hat. Selbst die stärksten Sorten, die speziell für hohe Cannabinoid-Konzentrationen gezüchtet wurden, enthalten kaum mehr als 0,1 %. Das macht eine direkte Extraktion wirtschaftlich unmöglich. Wer THCP kaufen will, bekommt ihn nicht aus dem Feld, sondern aus dem Labor.
Die Grundlage: Cannabinoid-Rohstoffe
Die Extraktion von THCP beginnt nicht mit THCP, sondern mit anderen Cannabinoiden - meist CBD oder CBGA. Diese sind leichter zu finden und in größeren Mengen verfügbar. CBD wird aus legalen Hanfsorten gewonnen, die weniger als 0,2 % THC enthalten. CBGA, das sogenannte "Mutter-Cannabinoid", ist der Ausgangspunkt für viele andere Cannabinoide, einschließlich THC und THCP. Diese Rohstoffe werden mit Methoden wie CO₂-Extraktion oder Ethanol-Extraktion aus dem Pflanzenmaterial isoliert. Das Ergebnis ist ein grobes Extrakt mit hohem CBD- oder CBGA-Gehalt - aber immer noch kein THCP.
Die chemische Umwandlung: Synthese von THCP
Jetzt kommt der entscheidende Schritt: Die Umwandlung. THCP unterscheidet sich von THC durch eine längere Seitenkette - sie hat sieben statt fünf Kohlenstoffatome. Diese längere Kette macht es viel stärker an den CB1-Rezeptoren im Gehirn binden. Um diese Kette zu bauen, braucht man eine chemische Reaktion. In den Laboren wird meist eine sogenannte Friedel-Crafts-Alkylierung verwendet. Dabei wird CBD oder CBGA mit einem speziellen Reagenz, wie 1-Bromheptan, in einem organischen Lösungsmittel wie Dimethylformamid (DMF) vermischt. Ein Katalysator, oft Aluminiumchlorid, beschleunigt die Reaktion. Die Seitenkette wird verlängert - und THCP entsteht.
Dieser Prozess ist nicht einfach. Die Reaktion muss unter streng kontrollierten Bedingungen stattfinden: Temperatur, pH-Wert, Reaktionszeit und Reinheit der Ausgangsstoffe müssen exakt stimmen. Schon ein kleiner Fehler - ein zu hoher Temperaturanstieg oder ein verunreinigtes Lösungsmittel - führt zu unerwünschten Nebenprodukten. Manche Labore berichten, dass bis zu 40 % des Produkts nicht THCP, sondern andere, weniger wirksame oder sogar schädliche Verbindungen sind. Deshalb folgt auf die Synthese immer eine Reinigung.
Reinigung: Chromatographie als Schlüssel
Nach der chemischen Umwandlung ist das Ergebnis ein Gemisch. Es enthält THCP, unverbrauchte Ausgangsstoffe, Nebenprodukte und Lösungsmittelrückstände. Um reines THCP zu bekommen, muss man es von allem anderen trennen. Dafür wird Präparative Flüssigkeitschromatographie (prep-HPLC) eingesetzt. Das ist eine hochpräzise Methode, bei der das Gemisch durch eine Säule mit speziellem Material gepresst wird. Verschiedene Moleküle bewegen sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit - und so werden sie voneinander getrennt.
THCP hat eine spezifische Retentionszeit - das ist die Zeit, die es braucht, um durch die Säule zu laufen. Sobald es ankommt, wird es abgefangen. Dieser Prozess ist langsam und teuer. Ein einziges Prep-HPLC-System kann mehrere Stunden brauchen, um nur 100 Milligramm reines THCP zu isolieren. Ein professionelles Labor produziert vielleicht 5 Gramm pro Woche - das ist alles. Deshalb ist reines THCP so teuer: Es braucht nicht nur teure Chemikalien, sondern auch teure Geräte und viel Zeit.
Wie wird THCP getestet und standardisiert?
Bevor THCP in Produkte wie Öle, Kapseln oder Vape-Flüssigkeiten kommt, muss es analysiert werden. Dafür wird meist die Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) oder die Flüssigkeitschromatographie-Massenspektrometrie (LC-MS) verwendet. Diese Methoden zeigen genau, welche Verbindungen enthalten sind - und in welcher Menge. Ein echtes THCP-Produkt sollte mindestens 95 % Reinheit aufweisen. Alles darunter ist riskant: Reste von Lösungsmitteln, unvollständig umgewandelte Vorläufer oder gefährliche Nebenprodukte können gesundheitliche Risiken bergen.
Einige Anbieter geben an, THCP aus "natürlicher Extraktion" zu gewinnen. Das ist irreführend. Es gibt keine natürliche Extraktion, die wirtschaftlich sinnvoll ist. Jedes kommerziell erhältliche THCP ist synthetisch hergestellt - auch wenn es chemisch identisch mit dem in der Pflanze vorkommenden Molekül ist. Die Bezeichnung "natürlich" ist ein Marketingbegriff, kein wissenschaftlicher.
Warum gibt es keine einfachere Methode?
Man könnte denken: Warum nicht einfach eine Cannabis-Sorte züchten, die viel THCP enthält? Die Antwort ist einfach: Es funktioniert nicht so leicht. Die Biosynthese von THCP in der Pflanze wird durch spezifische Gene gesteuert, die in den meisten Sorten nicht aktiv sind. Selbst wenn man Gene verändert, wächst die Pflanze oft langsamer, ist anfälliger für Krankheiten oder produziert unerwünschte Nebenprodukte. Zudem gibt es in vielen Ländern strenge Regeln für genetisch veränderte Pflanzen - besonders wenn sie Cannabinoide produzieren. Deshalb bleibt die chemische Synthese die einzige praktikable Methode.
Was passiert mit dem Rest?
Bei der Herstellung von THCP entsteht viel Abfall: ungenutzte Chemikalien, Lösungsmittel, abgetrennte Nebenprodukte. Verantwortungsvolle Labore recyceln Lösungsmittel und behandeln Abfälle nach Umweltstandards. Einige Unternehmen arbeiten daran, die Nebenprodukte wie CBD oder THC wiederzuverwenden - zum Beispiel für andere Cannabinoid-Produkte. Das macht den Prozess etwas nachhaltiger, aber es bleibt ein ressourcenintensiver Weg.
Wie erkennt man ein qualitativ hochwertiges THCP-Produkt?
Wenn du THCP kaufst, frage nach dem COA - Certificate of Analysis. Das ist ein Laborbericht, der zeigt, was wirklich in der Flasche ist. Ein echter COA enthält:
- Die Reinheit von THCP (mindestens 95 %)
- Den Gehalt an THC (sollte unter 0,2 % liegen, wenn es legal sein soll)
- Den Gehalt an Schwermetallen, Pestiziden und Lösungsmittelrückständen
- Die Methode der Analyse (LC-MS oder GC-MS)
- Den Namen und die Zulassung des Labors
Wenn kein COA vorhanden ist - oder wenn er unvollständig ist - solltest du nicht kaufen. THCP ist nicht nur teuer, es ist auch potenziell gefährlich, wenn es schlecht hergestellt wurde. Einige Produkte enthalten sogar THCP-Analoga wie THCB oder THCP-V, die noch weniger erforscht sind. Nur ein sauberer, analysierter Stoff ist sicher.
Wie wird THCP später verwendet?
Das gewonnene THCP wird meist in Trägeröle wie MCT-Öl oder Hanföl gelöst, um es einfacher einzunehmen. Es wird auch in Vape-Flüssigkeiten oder Kapseln verarbeitet. Die Dosierung ist kritisch: Da THCP bis zu 30-mal stärker wirkt als THC, reichen oft nur 1-2 Milligramm aus, um eine Wirkung zu erzielen. Zu viel kann zu starken psychoaktiven Effekten führen - Schwindel, Angst, Herzrasen. Deshalb ist die richtige Dosierung entscheidend. Die meisten seriösen Hersteller geben klare Dosierungsanleitungen und empfehlen, mit der niedrigsten Dosis zu beginnen.
Was ist die Zukunft von THCP?
Die Forschung zu THCP ist noch jung. Erst seit 2019 ist es wissenschaftlich vollständig beschrieben worden. Bis heute gibt es kaum klinische Studien am Menschen. Die meisten Daten kommen aus Tierstudien oder Laborversuchen. Dennoch steigt das Interesse - besonders in der Medizin. Mögliche Anwendungen liegen in der Schmerztherapie, bei Übelkeit oder Appetitlosigkeit. Aber solange die Herstellung so komplex und teuer bleibt, wird THCP vorerst ein Nischenprodukt bleiben - für Forscher, Experten und sehr vorsichtige Nutzer.
Die Extraktion von THCP ist kein Prozess, den man zu Hause nachmachen kann. Es braucht teure Geräte, chemisches Fachwissen und strenge Sicherheitsstandards. Wer behauptet, er könne THCP mit einfachen Hausmitteln gewinnen, lügt - oder weiß es nicht besser. Die Wahrheit ist: THCP ist ein Produkt der modernen Chemie, nicht der Natur. Und das macht es so besonders - und so verantwortungsvoll zu nutzen.
Kann man THCP aus normalem Hanf extrahieren?
Nein. THCP kommt in Hanf in so geringen Mengen vor, dass eine direkte Extraktion wirtschaftlich und praktisch unmöglich ist. Selbst die stärksten Sorten enthalten weniger als 0,1 % THCP. Alle kommerziellen THCP-Produkte sind synthetisch hergestellt, meist aus CBD oder CBGA.
Ist THCP legal?
In Österreich und der EU ist THCP nicht ausdrücklich verboten, aber es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz, da es chemisch ähnlich wie THC wirkt. Der Verkauf ist rechtlich unsicher - viele Anbieter verkaufen es als "nicht psychoaktiv" oder "für Forschungszwecke", was rechtlich fragwürdig ist. In vielen Ländern ist es de facto verboten.
Wie unterscheidet sich THCP von THC?
THCP hat eine längere Seitenkette (7 Kohlenstoffatome statt 5), was es viel stärker an die CB1-Rezeptoren im Gehirn binden lässt. Das macht es bis zu 30-mal wirksamer als THC - mit ähnlichem, aber intensiverem Effekt. Die Wirkung hält auch länger an.
Welche Risiken hat THCP?
Da THCP viel stärker wirkt, ist das Risiko von Überdosierung höher: starke Benommenheit, Angstzustände, erhöhter Puls, Übelkeit. Außerdem können schlecht gereinigte Produkte Schadstoffe enthalten. Es gibt kaum Langzeitstudien - die langfristigen Auswirkungen sind unbekannt.
Warum ist THCP so teuer?
Weil die Herstellung aufwendig ist: Sie erfordert teure Chemikalien, präzise Laborgeräte wie HPLC, viel Zeit und Fachwissen. Ein Gramm reines THCP kann leicht über 500 Euro kosten - das liegt an den Produktionskosten, nicht am "Wert" der Substanz.