Die Frage, ob THCP (Tetrahydrocannabiphorol ist ein Cannabinoid mit hoher Potenz und ähnlicher Wirkung wie THC) in Deutschland legal ist, beschäftigt viele Nutzer von Cannabishaltigen Produkten. Die Antwort ist nicht mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten. Sie hängt davon ab, woher das Produkt stammt, wie es hergestellt wurde und welche Gesetze aktuell gelten. Seit dem 1. April 2024 hat sich die rechtliche Landschaft durch das Cannabisgesetz (CanG) grundlegend verändert. Doch für kommerzielle Produkte wie Gummies bleibt die Situation komplex.
In diesem Artikel klären wir auf, was die aktuelle Rechtslage bedeutet, welche Risiken bestehen und worauf du beim Kauf achten musst. Wir schauen uns die Unterschiede zwischen Eigenanbau und Handel an und erklären den wichtigen Begriff des „Novel Food“-Status.
Der Unterschied zwischen Eigenanbau und Kommerziellem Handel
Um die Legalität von THCP zu verstehen, muss man zwei Bereiche strikt trennen: den privaten Umgang und den kommerziellen Verkauf. Das Cannabisgesetz von 2024 regelt diese Bereiche unterschiedlich.
Für Privatpersonen gilt seit April 2024 eine gewisse Entkriminalisierung. Du darfst bis zu drei blühende Cannabispflanzen zu Hause anbauen und bis zu 25 Gramm Cannabis im öffentlichen Raum mitführen. Zudem kannst du in sogenannten Cannabis Social Clubs (CSCs) Mitglied werden und dort monatlich bis zu 50 Gramm Cannabis beziehen. Diese Mengen sind für den Eigenverbrauch gedacht.
Doch hier liegt der erste Haken: Das CanG erlaubt den Besitz und Anbau von Cannabis. Es sagt nichts explizit über synthetisch hergestellte oder isolierte Cannabinoide wie THCP aus, die nicht direkt aus der Pflanze stammen, sondern im Labor erzeugt werden. Wenn du also selbst Pflanzen anbaust, die natürlich hohe Anteile an THCP enthalten, fällt dies unter die Erlaubnis des Eigenanbaus. Sobald du jedoch ein Produkt kaufst, das industriell hergestellt wurde, greifen andere Gesetze.
Das Problem des Novel Food-Status
Der entscheidende Faktor für den Kauf von THCP-Produkten wie Gummies ist das Lebensmittelrecht. In der Europäischen Union müssen alle neuen Lebensmittel, die vor dem 15. Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang konsumiert wurden, als Novel Food (Neue Lebensmittel, die einer Zulassung durch die EFSA bedürfen) eingestuft werden.
THCP fällt eindeutig unter diese Kategorie. Es handelt sich um ein Molekül, das zwar in der Natur vorkommt, aber in der Form, in der es heute verkauft wird (oft synthetisch angereichert), keine lange Tradition im menschlichen Verzehr hat. Bevor ein solches Produkt legal in deutschen Regalen stehen darf, muss es bei der Europäischen Lebensmittelsicherheitbehörde (EFSA) einen strengen Zulassungsprozess durchlaufen.
Bislang gibt es keine solche Zulassung für THCP. Das bedeutet konkret: Der Verkauf von THCP-haltigen Lebensmitteln - dazu gehören Gummies, Öle, Kaugummis und Tees - ist in Deutschland und der gesamten EU illegal. Auch wenn du online Shops findest, die THCP-Gummies anbieten, verstoßen sie gegen das Lebensmittelgesetz. Die Behörden haben in den letzten Jahren immer wieder Durchsuchungen durchgeführt und große Mengen an illegalen Cannabinoid-Produkten beschlagnahmt.
Wie kommt THCP dann trotzdem in den Handel?
Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, wie es möglich ist, dass THCP-Produkte dennoch im Internet bestellt werden können. Die Antwort lautet: Grauzonen und ausländische Quellen. Viele Online-Shops, die THCP verkaufen, sitzen nicht in Deutschland, sondern in anderen Ländern, in denen die Gesetze lockerer sind oder anders interpretiert werden.
Oft werden diese Produkte als „Nicht zum Verzehr bestimmt“ oder als „Technischer Zweck“ deklariert, um dem Lebensmittelrecht zu entgehen. Das ist jedoch ein trügerisches Spiel. Sobald das Produkt in Deutschland eintrifft und der Kunde es verzehrt, wird es de facto als Lebensmittel behandelt. Die Zollbehörden und Gesundheitsämter verfolgen diesen Markt intensiv. Bestellungen aus dem Ausland können beschlagnahmt werden, und Käufer riskieren Abmahnungen oder Bußgelder, auch wenn sie meist nicht strafrechtlich verfolgt werden, solange sie nur kleine Mengen für den Eigenbedarf besitzen.
Vergleich: THCP vs. THC vs. CBD
Um die Einordnung besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Verwandten von THCP. Hier zeigt sich deutlich, warum THCP besonders problematisch ist.
| Substanz | Psychoaktivität | Legalität im Handel | Besitz/Eigenanbau |
|---|---|---|---|
| CBD | Nein | Legal (als Nahrungsergänzungsmittel, wenn THC-arm) | Frei erlaubt |
| THC | Ja | Illegal (außer in CSCs für Mitglieder) | Eingeschränkt erlaubt (bis 3 Pflanzen, 25g Besitz) |
| THCP | Ja (sehr stark) | Illegal (kein Novel Food Status) | Grauzone (synthetisch: verboten; natürlich in Pflanze: unter CanG) |
| HHC | Ja (mittel) | Verboten (durch BfR-Empfehlung & BGH-Urteil) | Besitz oft toleriert, Verkauf untersagt |
Während CBD völlig legal ist und THC nun unter streng regulierten Bedingungen verfügbar ist, befindet sich THCP in einer prekären Lage. Es wirkt ähnlich wie THC, oft sogar potenter, da es stärker an die Rezeptoren im Gehirn bindet. Genau diese starke Wirkung macht es für die Regulierungsbehörden zu einem Risikofaktor, besonders weil die Langzeitwirkungen noch nicht ausreichend erforscht sind.
Risiken beim Kauf von THCP-Produkten
Wenn du trotz der rechtlichen Unsicherheiten THCP ausprobieren möchtest, solltest du dir der Risiken bewusst sein. Der Markt für neue Cannabinoide ist kaum reguliert. Das führt zu mehreren Problemen:
- Qualitätsmängel: Ohne staatliche Zulassung gibt es keine Kontrollen. Oft enthalten die Produkte nicht das, was auf der Verpackung steht. Manche Gummies haben zu wenig Wirkstoff, andere viel zu viel. Schlimmer noch: Es kann Verunreinigungen durch Lösungsmittel aus der Herstellung geben.
- Rechtliche Konsequenzen: Wie erwähnt, verstößt der Verkauf gegen das Lebensmittelrecht. Als Käufer bist du zwar meist sicher vor Strafverfolgung, aber deine Bestellung kann vom Zoll beschlagnahmt werden. Du zahlst also für etwas, das du nie erhältst.
- Gesundheitliche Unsicherheit: THCP ist ein relativ neues Phänomen. Wir wissen noch nicht genau, wie es langfristig den Körper beeinflusst. Im Vergleich zu natürlichem Cannabis, das Menschen seit Jahrhunderten nutzen, fehlen bei synthetischen Isolaten Daten zur Sicherheit.
Was bedeutet das für den Alltag?
Für die meisten Menschen in Deutschland bedeutet die aktuelle Lage Folgendes: Wenn du Cannabis konsumieren möchtest, ist der legale Weg über den Eigenanbau (bis zu 3 Pflanzen) oder die Mitgliedschaft in einem Cannabis Social Club. Dort bekommst du Blüten, die natürlich alle Cannabinoide enthalten, inklusive kleiner Mengen THCP. Dies ist legal und sicher.
Der Kauf von reinen THCP-Extrakten oder Gummies im Internet hingegen ist ein Risiko. Du bewegst dich in einer Grauzone, die jederzeit schließen kann. Die Behörden werden voraussichtlich in den kommenden Monaten und Jahren noch strenger gegen den Handel mit Novel Foods vorgehen. Es gab bereits Vorläufer wie HHC und Delta-8-THC, die zunächst frei erhältlich waren und später verboten wurden. THCP folgt wahrscheinlich demselben Muster.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich THCP-Gummies in Deutschland legal kaufen?
Nein, der Verkauf von THCP-Gummies ist in Deutschland illegal, da THCP keinen Novel Food-Status besitzt. Produkte, die online angeboten werden, verstoßen gegen das Lebensmittelrecht.
Ist der Besitz von THCP strafbar?
Der reine Besitz kleiner Mengen für den Eigenbedarf wird in der Praxis oft toleriert, ähnlich wie bei anderen Cannabinoiden. Der Verkauf und die Einfuhr sind jedoch verboten. Bei größeren Mengen oder Verdacht auf Weiterverkauf drohen Ermittlungen.
Warum ist THCP illegal, wenn Cannabis legalisiert wurde?
Das Cannabisgesetz regelt den Umgang mit der Pflanze und deren natürlichen Inhaltsstoffen im Rahmen des Eigenkonsums. THCP-Produkte im Handel sind jedoch oft industriell hergestellt und fallen unter das Lebensmittelrecht (Novel Food), das separat geregelt ist und bisher keine Zulassung für THCP vorsieht.
Gibt es legale Alternativen zu THCP?
Ja. Du kannst legal Cannabis-Pflanzen anbauen (bis zu 3 Stück) oder Mitglied in einem Cannabis Social Club werden. Alternativ sind CBD-Produkte vollständig legal, bieten aber keine psychoaktive Wirkung.
Wird THCP bald legalisiert?
Eine kurzfristige Legalisierung ist unwahrscheinlich. Für eine Zulassung als Lebensmittel müsste der Hersteller einen langwierigen Prozess bei der EFSA durchlaufen, der Jahre dauern kann. Bisher haben keine Anbieter diesen Schritt erfolgreich abgeschlossen.