Wenn du dich mit den neuen Cannabinoiden beschäftigst, bist du wahrscheinlich auf THCP und THCv gestoßen. Beide werden als revolutionär beschrieben - doch welches ist wirklich stärker? Die Antwort ist nicht einfach, denn es geht nicht nur um Intensität, sondern um Wirkmechanismen, Dauer und individuelle Reaktionen. Viele Anbieter behaupten, THCP sei das stärkste Cannabinoid der Welt. Doch THCv hat seine eigenen Stärken, die oft übersehen werden. Hier klären wir die Fakten.
Was ist THCP?
THCP ist eine Abkürzung für Tetrahydrocannabiphorol. Es ist ein natürlich vorkommendes Cannabinoid, das erstmals 2019 von italienischen Forschern entdeckt wurde. Im Vergleich zu herkömmlichem THC hat THCP eine längere Seitenkette: Während THC sieben Kohlenstoffatome in dieser Kette hat, besitzt THCP siebenzehn. Diese Verlängerung ermöglicht es THCP, viel enger an die CB1-Rezeptoren im Gehirn zu binden - die gleichen Rezeptoren, die THC aktiviert.
Studien im Labor zeigen, dass THCP bis zu 30-mal stärker an CB1-Rezeptoren bindet als THC. Das klingt dramatisch - und ist es auch. In Tierstudien löste eine sehr geringe Dosis THCP starke psychoaktive Effekte aus, die denen von THC ähnelten, aber deutlich intensiver und länger anhielten. Einige Nutzer berichten von einer fast halluzinatorischen Wirkung, selbst bei kleinen Mengen. Das macht THCP zu einem der stärksten bekannten psychoaktiven Cannabinoide.
Was ist THCv?
THCv steht für Tetrahydrocannabivarin. Es ist ein Cannabinoid, das natürlicherweise in einigen Cannabis-Sorten vorkommt, besonders in afrikanischen Stämmen wie Durban Poison. Im Gegensatz zu THCP wirkt THCv nicht einfach als stärkeres THC. Es hat eine komplett andere Wirkung.
THCv ist ein partieller Agonist am CB1-Rezeptor - das bedeutet, es bindet zwar an denselben Rezeptor wie THC, blockiert aber auch die Wirkung von THC, wenn es in höheren Dosen eingenommen wird. Das führt zu einem interessanten Effekt: In kleinen Dosen kann THCv leicht stimulierend wirken, in größeren Mengen dagegen psychoaktive Effekte hemmen. Es wird als "anti-THC" beschrieben. Einige Nutzer berichten, dass THCv den Hunger stillt, die Angst reduziert und die Wirkung von THC abmildert.
Einige klinische Studien untersuchten THCv bei Diabetes und Fettleibigkeit. Ergebnisse zeigen, dass es den Blutzuckerspiegel stabilisieren und den Fettstoffwechsel beeinflussen kann. Das macht THCv nicht zu einem starken Rauschmittel, sondern zu einem therapeutischen Kandidat mit einzigartigen Eigenschaften.
THCP vs. THCv: Der direkte Vergleich
| Eigenschaft | THCP | THCv |
|---|---|---|
| Bindungsstärke an CB1-Rezeptor | 30-mal stärker als THC | Schwach, aber blockierend |
| Psychoaktive Wirkung | Sehr stark, langanhaltend | Leicht bis moderat, nur bei hohen Dosen |
| Hauptwirkung | Rausch, Euphorie, Entspannung | Appetitzügler, angstlösend, anti-THC |
| Natürliche Vorkommen | Sehr selten, oft synthetisch hergestellt | Einige traditionelle Sorten, z. B. Durban Poison |
| Typische Dosierung | 1-5 mg | 10-50 mg |
| Rechtlicher Status (Österreich) | Verboten (als THC-Analogon) | Im Graubereich, oft nicht reguliert |
Der Vergleich zeigt klar: THCP ist der stärkere Rausch. THCv ist der präzisere Therapeut. Wer nach intensiveren Erfahrungen sucht, greift zu THCP - aber mit Vorsicht. Wer nach Kontrolle, Appetitzügelung oder einer milderen Alternative zu THC sucht, wird THCv als nützlich empfinden.
Warum du nicht einfach sagen kannst: "THCP ist stärker"
Stärke ist nicht immer gleichbedeutend mit Wirkung. Ein Auto mit 500 PS ist stärker als eines mit 150 PS - aber wenn du auf der Autobahn fährst, brauchst du nicht immer 500 PS. Manchmal reicht es, genau zu wissen, wann du bremst. THCv ist das Bremssystem. Es macht dich nicht schneller, aber es macht dich sicherer.
THCP ist wie eine vollgefüllte Rakete: Es kann dich in neue Dimensionen bringen - oder dich überfordern. Viele Nutzer berichten von Angstzuständen, Schwindel oder sogar Übelkeit, wenn sie zu viel THCP konsumieren. Es ist kein Spielzeug. Einige Anbieter verkaufen es als "Premium-Rausch", aber die Dosierung ist extrem empfindlich. Eine einzige Tropfenflasche mit 100 mg THCP könnte für einen Anfänger gefährlich sein.
THCv dagegen ist unauffällig. Es ist kein Rauschmittel, das du suchst - es ist ein Werkzeug, das du brauchst. Es ist in der Regel nicht als Hauptprodukt vermarktet, sondern als Ergänzung. In Kombination mit CBD oder THC kann es die Wirkung abrunden und unerwünschte Nebenwirkungen reduzieren.
Was du wirklich brauchst: Deine eigene Erfahrung
Es gibt keine universelle Antwort auf die Frage, welches Cannabinoid "stärker" ist. Es hängt davon ab, was du suchst:
- Du willst eine intensive, langanhaltende Erfahrung? Dann ist THCP die Wahl - aber nur, wenn du weißt, wie du es dosierst.
- Du willst klare Gedanken, weniger Hunger, weniger Angst? Dann ist THCv deine Option - auch wenn es nicht wie ein Rausch wirkt.
- Du hast eine niedrige Toleranz? Dann solltest du THCP meiden. THCv könnte dir helfen, mit Cannabis umzugehen, ohne überfordert zu werden.
Einige Nutzer kombinieren beide: Eine winzige Menge THCP für den Kick, dazu etwas THCv, um die Kante abzurunden. Das ist fortgeschrittenes Experimentieren - und es funktioniert für manche. Aber es erfordert Erfahrung, Geduld und ein gutes Verständnis deiner eigenen Reaktionen.
Rechtliche Lage in Österreich (Stand 2026)
In Österreich ist THC in jeglicher Form, die über 0,3 % im Trockengewicht überschreitet, illegal. THCP ist als strukturelles Analogon von THC eingestuft und damit unter das Betäubungsmittelgesetz fallend. Selbst wenn es aus Hanf gewonnen wird, gilt es als verboten. Der Verkauf von THCP-Produkten ist daher rechtlich riskant.
THCv hingegen steht in einem Graubereich. Da es nicht als klassisches Rauschmittel klassifiziert ist und in natürlichen Konzentrationen vorkommt, wird es oft nicht aktiv verfolgt. Dennoch: Wer THCv verkauft, tut das auf eigenes Risiko. Die Gesetze entwickeln sich schnell - und was heute erlaubt ist, kann morgen verboten sein.
Was du beachten solltest: Produkte mit THCP werden oft als "Hemp" oder "Legal High" vermarktet. Das ist irreführend. Kein Produkt mit THCP ist legal in Österreich, wenn es mehr als 0,3 % THC oder THC-Analoga enthält.
Was kommt als Nächstes?
Die Forschung zu Cannabinoiden ist noch in den Anfängen. THCP und THCv sind nur zwei von vielen, die noch entdeckt werden. CBDv, THCB, THCp - die Liste wächst. Was wir heute als "stärkstes Cannabinoid" bezeichnen, könnte in zwei Jahren überholt sein.
Der Trend geht nicht mehr nur nach Intensität, sondern nach Präzision. Es geht nicht mehr darum, wie stark es ist - sondern wie gut es zu dir passt. THCP ist kein Sieg, sondern eine Herausforderung. THCv ist kein Kompromiss, sondern eine Lösung.
Wenn du neu in diesem Bereich bist: Beginne mit CBD. Lerne deine Reaktionen kennen. Experimentiere dann mit THCv, wenn du Kontrolle suchst. Und wenn du THCP ausprobierst - dann nur mit extrem niedrigen Dosen, in sicherer Umgebung, und mit jemandem, der weiß, was du tust.
Ist THCP legal in Österreich?
Nein. THCP gilt in Österreich als strukturelles Analogon von THC und ist daher gemäß dem Betäubungsmittelgesetz verboten. Selbst Produkte, die als "Hemp" vermarktet werden, fallen unter dieses Verbot, wenn sie THCP enthalten. Der Verkauf oder Besitz von THCP ist rechtlich riskant.
Kann THCv einen Rausch verursachen?
In sehr hohen Dosen (über 50 mg) kann THCv leicht psychoaktive Effekte hervorrufen - aber sie sind anders als bei THC. Es wirkt eher stimulierend und klärend, nicht euphorisch. In niedrigen Dosen hemmt es sogar die Wirkung von THC. Es ist kein klassisches Rauschmittel.
Welches Cannabinoid ist am sichersten für Anfänger?
CBD ist das sicherste für Anfänger, da es nicht psychoaktiv ist. Danach kann man vorsichtig mit THCv experimentieren, da es die Wirkung von THC mildert und kaum Nebenwirkungen hat. THCP ist für Anfänger nicht geeignet - es ist zu stark und schwer dosierbar.
Warum wird THCP oft als "stärker" verkauft als THC?
Weil es in Laborstudien bis zu 30-mal stärker an die CB1-Rezeptoren bindet. Das bedeutet, dass es bei gleicher Menge eine viel intensivere Wirkung hat. Allerdings ist diese Stärke auch gefährlich: Eine zu hohe Dosis kann zu Angst, Verwirrung oder Übelkeit führen. Es ist nicht "besser", sondern nur intensiver.
Gibt es natürliche Cannabis-Sorten mit viel THCP?
Fast nicht. THCP kommt in natürlichen Cannabispflanzen nur in winzigen Mengen vor - oft weniger als 0,1 %. Die meisten Produkte auf dem Markt enthalten synthetisch hergestelltes THCP, das in Laboren produziert wird. Das macht es schwer kontrollierbar und potenziell riskant.
Die Welt der Cannabinoide ist nicht schwarz oder weiß. Es geht nicht darum, welches stärker ist - sondern welches zu deinem Körper, deinem Ziel und deiner Erfahrung passt. THCP ist kein Sieg, THCv kein Kompromiss. Beide sind Werkzeuge. Und wie bei jedem Werkzeug: Es kommt darauf an, wie du es benutzt.